Studium abbrechen: worauf Du achten musst und welche Perspektiven Du hast

Autor:
Iwan
Stand:
2.7.2020

Viele Studenten denken im Laufe des Studiums darüber nach, das Studium vorzeitig abzubrechen. Häufig stellt man fest, dass das Studienfach doch nicht so richtig zu einem passt. Ein anderer Grund ist auch, dass Prüfungen nicht bestanden werden und die Zwangsexmatrikulation droht. Ganz egal aus welchem Grund Du darüber nachdenkst Dein Studium abzubrechen, Du bist nicht allein: so lag die Abbruchquote des Absolventenjahrgangs 2016 im Bachelorstudium bei 28%.

Und selbst bei den darauf aufbauenden Masterstudiengängen lag sie immerhin noch bei 19%. Regelmäßig sind dabei die Abbruchquoten im naturwissenschaftlichen Bereich am höchsten.

Wenn Du ernsthaft darüber nachdenkst Dein Studium vorzeitig zu beenden, dann musst Du viele Dinge dabei beachten. Wir haben versucht Dir zusammenzustellen, welche Punkte dabei wirklich wichtig sind.

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Ein Studienabbruch ist für viele ein stressiger Akt mit vielen Hürden. Wir zeigen Dir auf, was Du beachten musst.

Was musst Du beim Studienabbruch beachten?

Ein Studienabbruch ist in erster Linie ein bürokratischer Akt, bei dem Du relativ viele Unterlagen ausfüllen und an zuständige Ämter schicken musst. Willst Du Dein Studium abbrechen, hat das beispielsweise wichtige Auswirkungen auf die Themenbereiche BAföG, Krankenversicherung, Kindergeld sowie eventuell vorhandene Studienkredite.

BAföG

Beendest Du Dein Studium vorzeitig ohne Abschluss (egal ob auf eigenen Wunsch oder per Zwangsexmatrikulation), endet in der Regel auch die BAföG-Förderung. Damit Du hier keine wichtigen Fristen und Meldungen versäumst, solltest Du noch vor dem Abbruch Deines Studiums Kontakt BAföG-Amt (oder alternativ dem Sozialamt) suchen.

Wann beginnt die BAföG Rückzahlung wenn ich mein Studium abbreche?

Auch wenn Du Dein Studium abbrechen solltest, ändert das nichts an den sehr flexiblen Rückzahlungsbedingungen des BAföG. Konkret bedeutet das für Dich,dass das Darlehen fünf Jahre nach Ende der Regelstudienzeit des zuerst begonnenen Studiengangs fällig wird. Du erhältst dann wenige Monate vorher einen Brief vom Bundesverwaltungsamt, in dem die beginnende Rückzahlung angekündigt wird. Somit solltest Du auch nach dem Studienabbruch genug Zeit haben, Dich für eine alternative Ausbildung beziehungsweise Karriere qualifiziert zu haben, ohne in finanzielle Engpässe zu geraten.

Muss ich durch den Studienabbruch mehr Geld zurückzahlen?

Nein. Auch an der Höhe Deiner Rückzahlung ändert sich bei einem Studienabbruch nichts. Wenn Du Dein Studium erst sehr spät abbrichst und dementsprechend schon eine hohe BAföG-Förderung erhalten hast, musst Du nichtsdestotrotz maximal die Darlehenssumme von 10.000 Euro zurückzahlen. Die Höhe der Rückzahlung ist also nicht an den Studienerfolg geknüpft.

Kann ich nach meinem Studienabbruch noch einmal BAföG bekommen?

Wenn Du Dein Studium abbrechen willst, wird das vom BAföG-Amt im Grunde genauso gehandhabt, als würdest Du Deine Fachrichtung noch einmal wechseln wollen. Passiert das direkt zu Beginn des Studiums, ist es weniger dramatisch und Du kannst situationsbezogen erneut BAföG beantragen. Passiert es jedoch im späteren Teil Deines Studiums (ab dem dritten Semester), musst Du einen sogenannten „wichtigen“ beziehungsweise „unabweisbaren“ Grund vorweisen, auf Grund dessen das Studium abgebrochen wurde.

Kindergeld

Kindergeld dient dazu Dich bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres bei Deinem Ausbildungsweg zu unterstützen. Brichst Du Dein Studium also ab, solltest Du das umgehend der Kindergeldstelle melden.

Wenn Du nach dem Studienabbruch innerhalb von vier Monaten eine andere Ausbildung beginnst, erhältst Du regulär weiter Kindergeld. Ist das jedoch nicht der Fall, dann kann es passieren, dass das Kindergeld entfällt (zum Beispiel wenn Du nach dem Studienabbruch direkt in die Selbstständigkeit gehst).

Wenn Du den Studienabbruch nicht meldest, fällt es bei der Kindergeldstelle spätestens dann auf, wenn Du Bescheinigungen zum aktuellen Studium einreichen musst. Fällt im Zuge der Prüfung dann auf, dass Du Dein Studium abgebrochen hast, könnte es zu hohen Rückzahlungen kommen. Daher solltest Du hier kein Risiko eingehen.

Krankenversicherung

Die meisten Studierenden sind während des Studiums im Zuge der Familienversicherung bei den Eltern gesetzlich versichert. Außerdem gibt es viele Studierende, die im Rahmen des Studententarifs selbst ihre Beiträge zur Krankenversicherung bezahlen.

Wenn Du nun Dein Studium abbrechen möchtest, wirst Du von der Krankenkasse als sogenannter freiwillig gesetzlich Versicherter geführt. Neben der Statusänderung bringt das auch deutlich höhere Kosten für Dich mit sich. Aktuell liegt der geringste Monatsbeitrag bei knapp über 145 Euro zzgl. Zusatzbeitrag.

Wenn Du nach Deinem Studienabbruch direkt einen sozialversicherungspflichtigen Job, eine andere Ausbildung oder ein anderes Studium beginnst, ändert sich an Deinem Versicherungsstatus normalerweise wenig. Über einen sozialversicherungspflichtigen Job wärst Du direkt krankenversichert und bei Aufnahme eines anderen Studiums könntest Du wieder in die Familienversicherung.

Die oben genannten Punkte beziehen sich vorrangig auf gesetzlich versicherte Studenten. Privatversicherte sind davon ausgenommen und können in den meisten Fällen in ihrem Tarif bleiben.

Studienkredit

Wie beim BAföG entfällt mit dem Abbruch des Studiums auch bei Studienkrediten die Leistungs- bzw. Förderungsgrundlage. Daher solltest Du Dich direkt an den Kreditgeber wenden, um individuell Maßnahmen zu ergreifen. Beim KfW-Studienkredit ist der Wechsel des Studiengangs relativ flexibel möglich.

Steigst Du hingegen direkt in die Berufswelt ein, endet die Auszahlungsphase und die sogenannte Karenzphase beginnt. Nach Ablauf dieser (in der Regel 18 Monate) beginnt dann die Rückzahlung des Darlehens.

Wie gehst Du vor wenn Du Dein Studium abbrechen willst?

Beim Studienabbruch gibt es zwei mögliche Szenarien: entweder die Exmatrikulation von Amts wegen oder aber die Exmatrikulation auf eigenen Wunsch.

Exmatrikulation von Amts wegen

Diese Form des Studienabbruchs wird häufig auch als Zwangsexmatrikulation bezeichnet und kann verschiedene Ursachen haben. Zu den häufigsten Ursachen,die zu einer Zwangsexmatrikulation führen, zählen folgende:

  • Du meldest Dich nicht ordnungsgemäß und fristgerecht zum nächsten Semester zurück.
  • Du hast Deine Studien- bzw.Verwaltungsgebühren trotz Mahnbescheiden nicht bezahlt.
  • Du hast Prüfungsfristen (bspw.zur Anmeldung) nicht eingehalten.
  • Du hast verpflichtende Prüfungsleistungen final nicht bestanden oder bis zu einem erforderlichen Termin abgelegt.

Darüber hinaus können auch weitere Gründe zur Zwangsexmatrikulation führen, kommen jedoch relativ selten vor. Dazu zählen beispielsweise Straftaten (Drohungen gegen Dozenten, Kommilitonen oder andere Mitarbeiter der Hochschule), falsche Angaben bei Deiner Bewerbung oder administrative Gründe (Deine Adresse ist nichter mittelbar).

Eine Zwangsexmatrikulation solltest Du um jeden Preis vermeiden, da häufig damit einhergeht, dass Du das betreffende Studienfach so nicht noch einmal studieren kannst. Du würdest Dira lso eine Rückkehr in den entsprechenden Fachbereich verbauen.

Exmatrikulation auf Antrag

Neben der Zwangsexmatrikulation gibt es auch die Exmatrikulation auf Antrag, also auf eigenen Wunsch. Die Gründe dabei können völlig individuell sein. Häufig brechen Studierende ihr Studium ab, da sie das Fach anders eingeschätzt haben oder weil der Leistungsdruck zu hoch ist.

Die entsprechenden Antragsformulare findest Du im Studierendensekretariat Deiner Hochschule und normalerweise auch online. Lass Dir ausreichend Zeit damit, diese weitreichende Entscheidung zu treffen. Wenn Du Dir sicher bist, dass Du das Studium abbrechen willst, solltest Du den Antrag als Einschreiben bei der Hochschule einreichen, damit auf dem Postweg nichts schief geht.

Studienabbruch und dann – welche Perspektiven hast Du auf dem Arbeitsmarkt?

Wie bereits in der Einleitung geschildert kommt der Abbruch des Studiums nicht so selten vor. Da 28% im Erststudium ihr Studium abgebrochen haben kann man daraus leicht ableiten, dass die Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt nicht so schlecht stehen.

Ausbildung beginnen

Aktuell profitierst Du als Studienabbrecher von einem akuten Mangel an Auszubildenden. Beginnst Du nach Deinem Studienabbruch eine Ausbildung, erhältst Du auch weiter Kindergeld und hast direkt ein gesichertes Einkommen. Zusätzlich sammelst Du wertvolle Praxiserfahrung, die sich später für Dich auszahlt.

Wenn Du nach Deiner Ausbildung noch ein Studium dranhängen möchtest, kannst Du das in aller Regel tun.

Ausnahme: Du wurdest zwangsexmatrikuliert und willst im selben Bereich ein Studium beginnen. Das ist mit Herausforderungen verbunden.

Studium beginnen

Natürlich kannst Du nach dem Abbruch des Studiums auch ein Studium in einem anderen Fachbereich beginnen. In diesem Falle musst Du die Hinweise zum Thema BAföG und Studienkredit beachten, beim Kindergeld und der Krankenversicherung ändert sich normalerweise jedoch nichts.

Jobeinstieg

Auch der Jobeinstieg ist eine Alternative nach dem Studienabbruch. Viele Unternehmen suchen, insbesondere im Vertrieb, nach jungen und dynamischen Mitarbeitern, die nicht zwingend einen Ausbildungs- oder Studienabschluss mitbringen müssen. Hier wirst Du bei kleineren Unternehmen eher Erfolg haben als bei großen Konzernen, da diese strikte Richtlinien für Stellenbeschreibungen haben. Um auch nachhaltig im Berufsleben erfolgreich zu sein, solltest Du aber definitiv einen Abschluss anstreben.

Selbstständigkeit

Neben dem klassischen Jobeinstieg kommt auch die direkte Selbstständigkeit in Frage (dazu gibt es etliche berühmte Beispiele, wie Bill Gates). Von den vorgestellten Optionen ist dieser Weg mit Abstand am riskantesten, da Du nicht nur die Risiken aus dem Studienabbruch trägst, sondern auch die Risiken der Selbstständigkeit auf Dich zukommen. Außerdem greifen hier die meisten finanziellen Anpassungen hinsichtlich Kindergeld, BAföG und Krankenversicherung. Der Vorteil der Selbstständigkeit liegt jedoch ganz klar darin, dass Du Deinen Erfolg selbst bestimmst und dieser nicht gedeckelt ist.

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Ein Studienabbruch ist auf dem Arbeitsmarkt nicht zwingend ein schlechtes Zeichen

Fazit: ein Studienabbruch kann auch eine Chance darstellen

Der Abbruch Deines Studiums bedeutet für Dich erst einmal den Supergau. Du solltest jedoch nicht vergessen, dass Du an dieser Situation wächst und sich auf Basis Deiner Entscheidung neue Möglichkeiten und Chancen ergeben.

Studienabbrecher sind am Arbeitsmarkt gerne gesehen, da sie beim Start einer Ausbildung beziehungsweise eines dualen Studiums bereits wertvolle fachliche Erfahrung aus den ersten Semestern der Hochschule mitbringen. Diese Erfahrung hilft Dir auch dabei, schnell in neue Tätigkeiten hereinzuwachsen.

Grundsätzlich steht Dir an jeder Hochschule auch die Studierenden- und Prüfungsberatung offen. Dieses Angebot solltest Du unbedingt nutzen, da die Ansprechpartner dort jahrelange Erfahrung mit solchen Themen haben. Diese Gespräche sind kostenfrei und zeigen Dir auf, welche Schritte es zu beachten gilt, wenn Du Dich tatsächlich für den Studienabbruch entscheidest.

Über den Autor

Mein Name ist Iwan Grischanov und ich habe ebenfalls mein erstes Studienfach abgebrochen (Volkswirtschaftslehre an der Universität Heidelberg). Grund hierfür war in erster Linie nicht der Leistungsdruck, sondern vorrangig der Punkt, dass praktische Erfahrung fehlte und der betriebswirtschaftliche Part für mich wesentlich interessanter war als der volkswirtschaftliche Teil des Studiums. Nach dem Studienabbruch, für den ich mich proaktiv entschied, habe ich ein duales Studium an der DHBW Mannheim begonnen und dort auch abgeschlossen. Die im Erststudium erworbene Erfahrung war für mich eine lehrreiche Zeit, die mir sehr beim Einstieg in das Berufsleben geholfen hat.

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