Steuern zahlen als Werkstudent: wann Du Steuern zahlen musst und welche Tipps es gibt

Autor:
Dominik
Stand:
13.7.2020

Tausende Studierende erarbeiten sich während des Studiums wertvolle Praxiserfahrung, um ihren Lebenslauf aufzuwerten. Neben freiwilligen beziehungsweise verpflichtenden Praktika greifen viele Studenten dabei auf klassische Nebenjobs zurück. Aber auch Werkstudentenstellen rücken immer mehr in den Fokus und werden inzwischen von vielen Unternehmen angeboten.

Da Du mit dem Werkstudentenjob ein Einkommen erzielst stellt sich zwangsläufig die Frage ob Du dabei auch Steuern zahlen musst. Wir zeigen Dir, wann Du Steuern zahlst und welche Möglichkeiten es für Dich gibt die Steuerlast zu senken.

Wann muss ich Steuern im Werkstudentenjob zahlen?

Grundsätzlich gelten beim Werkstudentenjob dieselben Bedingungen wie bei jeder Beschäftigung, da Du als regulärer Arbeitnehmer eingestuft wirst.

Maßgeblich für die Frage ob Du Steuern zahlen musst oder nicht ist der sogenannte Steuerfreibetrag, der in 2020 bei 9.408 Euro liegt (für Singles in der Steuerklasse I). Das bedeutet, dass Du keine Steuern zahlen musst, wenn Dein Einkommen aus dem Werkstudentenjob unter dieser Grenze liegt. Für viele Studenten ist das Thema damit auch erledigt, da bei einer Werkstudentenstelle nur maximal 20 Stunden während der Vorlesungszeit gearbeitet werden darf und der Stundenlohn dabei oft auf der Höhe des Mindestlohns liegt.

Der Steuerfreibetrag hängt von Deiner Steuerklasse ab. In den allermeisten Fällen sind Studierende in der Steuerklasse I eingeordnet, da sie unverheiratet, verwitwet oder getrennt leben. Neben dem Steuerfreibetrag erhältst Du bei der Berücksichtigung der Steuerzahlung auch einen Arbeitnehmer-Pauschbetrag, der in der Steuerklasse I bei 1.000 Euro liegt. Der Pauschbetrag reduziert Dein Jahresbruttoeinkommen, sodass Du in der Praxis als Werkstudent bis zu 950 Euro steuerfrei monatlich beziehen kannst.

Arbeitest Du jedoch mehr (beziehungsweise auch in der vorlesungsfreien Zeit) ist es gut möglich, dass Du über dem Steuerfreibetrag liegst und Steuern zahlen musst.

Werkstudent Steuern zahlen
Die gute Nachricht zuerst: die allermeisten Werkstudenten müssen keine Steuern zahlen

Wie viele Steuern und Abgaben muss ich zahlen?

Liegst Du mit Deinem Werkstudentenjob über den oben genannten Grenzen, fallen Steuern an. Neben den Steuerabgaben gibt es zusätzlich auch Sozialabgaben, die Du berücksichtigen musst. Mit welchen Abzügen Du rechnen musst, siehst Du in der folgenden Aufstellung:

Muss ich Beiträge zur Krankenversicherung zahlen?

Erst einmal eine gute Nachricht für Dich. Für Werkstudenten gilt bei der Krankenversicherung die sogenannte 20-Wochenstunden-Grenze. Diese besagt, dass Du keine Beiträge zur Krankenversicherung abführen musst, sofern der Werkstudentenjob nur eine Nebensache ist und Du den größten Teil Deiner Zeit und Leistung für Dein Studium aufwendest.

Bedeutet im Klartext, dass Du nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten darfst (hiervon ausgenommen sind vorlesungsfreie Zeiten).

Und wie sieht’s mit der Rentenversicherung aus?

Beiträge zur Rentenversicherung zählen zu den Sozialabgaben. Hier gibt es keine für Werkstudenten anwendbare Sonderregel. Allerdings gibt es hierbei eine Ausnahme und zusätzlich eine Staffelung der Beiträge:

  • Verdienst Du im Rahmen Deines Werkstudentenjobs nicht mehr als 450 Euro monatlich, kannst Du Dich von den Beiträgen zur Rentenversicherung befreien lassen. In der Regel musst Du Dich nicht darum kümmern, da der Arbeitgeber das erledigt.
  • Liegt Dein Verdienst zwischen 450 Euro und 1.300 Euro monatlich (bis 30.06.2019 galt hier die Grenze von 850 Euro), greift der sogenannte Übergangsbereich (ehemals Gleitzonenregelung). Im Übergangsbereich zahlt den größten Teil der Rentenversicherungsbeiträge Dein Arbeitgeber. Dein eigener Anteil liegt je nach Gehalt bei 5 – 21%.
  • Liegt Dein Einkommen über 1.300 Euro monatlich und damit auch über der Grenze des Übergangsbereichs, beträgt der Beitrag zur Rentenversicherung aktuell 18,6% des Bruttoarbeitslohns. Davon trägt die Hälfte der Arbeitgeber, sodass Du 9,3% selbst zahlst (Stand: Juli 2020).

Wie hoch fällt die Einkommensteuer aus?

Wenn Du auch nach Abzug des Arbeitnehmer-Pauschbetrags über dem Steuerfreibetrag in Höhe von 9.408 Euro liegst, fallen Steuern an. Prozentual liegt die Besteuerung auf derselben Höhe wie bei anderen Tätigkeiten und richtet sich nach Deiner Steuerklasse. Eine Hilfestellung gibt Dir dabei ein Brutto-Netto Rechner.

Neben der Einkommensteuer musst Du auch berücksichtigen, dass je nach individueller Situation Kirchensteuer (8% beziehungsweise 9% der Einkommensteuer) und der Solidaritätszuschlag (5,5% der Einkommensteuer) hinzukommen.

Wie kann ich die Steuern bei einem Werkstudentenjob senken?

Du Du Dich während Deines Werkstudentenjobs im Studium befindest, kannst Du allerhand Studienkosten steuerlich geltend machen. Damit das Finanzamt diese (auch fiktiven) Kosten berücksichtigen kann, musst Du eine Steuererklärung anfertigen.

Ohne Steuererklärung kannst Du Pauschalen und Kosten nicht ansetzen und das Finanzamt kann nur die Einnahmen berücksichtigen. Zu den Kosten zählen zum Beispiel Druck- und Literaturkosten, aber auch Fahrten zu Deiner Familie oder Studiengebühren (auch Semesterbeiträge).

Auch wenn Du noch keine Steuern zahlst kann sich eine Steuererklärung für Dich auszahlen. Die angesetzten Kosten kannst Du dann berücksichtigen, sobald Du Dein erstes steuerpflichtiges Einkommen erzielst. Beispielsweise bei Deinem Berufseinstieg.

Fazit: in den allermeisten Fällen keine Steuern im Werkstudentenjob

Wie geschildert greifen bei Werkstudenten viele Pauschalen und kulante Einkommensgrenzen, die Dir einen flexiblen und lukrativen Nebenverdienst ermöglichen sollen. Zusätzlich sollen Arbeitgeber dadurch animiert werden, Werkstudentenstellen zu fördern.

Wenn für Dich im Werkstudentenjob nichtsdestotrotz Steuern anfallen, beispielsweise weil Du durch Deinen guten Verdienst über der Freigrenze liegst, kannst Du über die Steuererklärung für Studenten auf viele Pauschalen und Kosten zurückgreifen, um Deine Steuerlast zu minimieren.

 

 

 

 

 

 

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