Das Gehalt als Professor: was verdient eigentlich ein Professor und wie kommt man an den Professorenjob?

Autor:
Daniel
Stand:
11.10.2020

Nach dem Abschluss des Masters beginnen jährlich tausende Absolventen auch eine Promotion in unterschiedlichsten Fachrichtungen. Die Promotion kann nicht nur Türöffner für viele gutbezahlte Jobs in der Wirtschaft und damit ein Karriereboost sein, sondern ist in den meisten Fällen auch eine wichtige Voraussetzung, um eine Karriere in der Hochschulwelt zu starten.

Wie wird man überhaupt Professor?

Um Professor zu werden und in der Wissenschaft Fuß zu fassen ist es zwingende Voraussetzung, eine exzellente akademische Ausbildung vorweisen zu können. Hierzu zählt neben einem sehr gut abgeschlossenen Bachelor- und Masterstudium auch eine Promotion. Während es früher auch möglich gewesen ist ohne Doktor-Titel einen Ruf zum Professor zu erhalten, ist diese Möglichkeit heute in der Regel nicht mehr darstellbar.

Wer die formalen Zugangsbedingungen erfüllt muss darüber hinaus in den meisten Fällen auch erste wissenschaftliche Erfolge verzeichnen können. Hierzu zählt neben der Lehr- und Forschungstätigkeit an Hochschulen bzw. Universitäten auch, dass Du bereits an ersten Journals bzw. wissenschaftlichen Papers mitgearbeitet hast. Das ist besonders relevant, da Universitäten sich mit veröffentlichten Arbeiten messen und so ihre Forschungsqualität unter Beweis stellen.

Trifft auch dieser Punkt auf Dich zu, kannst Du Dich für ausgeschriebene Professuren an privaten oder öffentlichen Hochschulen bewerben. In Deutschland ist die Nachfrage nach einer Professur sehr hoch und viele wissenschaftliche Mitarbeiter wollen ebenfalls an die Position kommen. Das bedeutet, Du musst Dich bei der Bewerbung für eine Professur abheben. Die Entscheidung, wer die Professur am Ende des Bewerbungsverfahrens erhält, wird von einem Ausschuss getroffen. Gelingt Dir die Bewerbung, wirst Du in der Regel zunächst für eine Junior-Professur berücksichtigt.

Wie wird ein Professor bezahlt und welche Unterschiede gibt es?

Bezahlung auf Basis von Besoldungsgruppen

Die Vergütung als Professor erfolgt normalerweise über die Besoldungsgruppen, da Professoren verbeamtet werden. Bei den Besoldungsgruppen ist für Professoren die W-Gruppe interessant, wobei „W“ für Wissenschaft steht. Typischerweise ordnen sich Professorengehälter in die Besoldungsgruppen W1, W2 und W3 ein.

Besoldungsgruppe W1

Die Einkategorisierung in die Besoldungsgruppe W1 bezieht sich auf sogenannte Juniorprofessuren, die insbesondere für junge Nachwuchswissenschaftler geeignet sind. Eine Juniorprofessur kann sich jedoch auch darauf beziehen, dass die dahinterliegende Stelle erst neu geschaffen worden ist. Das Gehalt für einen W1 Juniorprofessor ist dabei natürlich geringer als für Professoren, die in W2 oder W3 eingestellt worden sind.

Besoldungsgruppe W2

Bei der W2 Besoldungsgruppe handelt es sich um die Gehaltsstufe für originäre Professoren, also vollwertige Wissenschaftler mit Lehrauftrag. Die Vergütung liegt hierbei über den Juniorprofessoren. Im Unterschied zur W3 Besoldung bezieht sich die W2 Vergütung jedoch auf Fachhochschulprofessoren. Das heißt, Professoren an Fachhochschulen verdienen durchschnittlich etwas weniger als ihre Kollegen an Universitäten.

Besoldungsgruppe W3

Die Vergütung von vollwertigen Professoren an Universitäten unterliegt in den meisten Fällen der W3 Besoldungsgruppe. In selteneren Fällen kann auch ein Universitätsprofessor nach W2 vergütet werden, umgekehrt ist das jedoch nicht der Fall.

Wie hoch ist das Gehalt als Professor konkret?

Je nach vorliegender Besoldungsgruppe unterscheiden sich die Professorengehälter teilweise sehr deutlich. Neben der Besoldungsgruppe an sich spielt auch die Stufe (also die Berufserfahrung) eine Rolle. Zusätzlich gibt es diverse Zuschläge für Fakultäts- und Budgetgrößen. Nicht zuletzt unterscheidet sich das Gehalt von Professoren auch regional. Ein Kollege in Berlin verdient so zum Beispiel anders als ein Professor in Süddeutschland.

Wie hoch ist das Einstiegsgehalt von Professoren?

Wie bereits angesprochen steigen Professoren nicht als W2 oder W3 Professur ein, sondern im Rahmen einer Juniorprofessur als W1 Besoldungsgruppe. Damit liegt das Einstiegsgehalt je nach Bundesland zwischen 4.219,84 EUR (Hessen) und 4.909,04 EUR (Baden-Württemberg). Im Vergleich zu Gehältern, die bei ähnlicher Qualifikation in der Wirtschaft gezahlt werden sieht das natürlich erst einmal gering aus. Jedoch zahlst Du durch die Verbeamtung keine Sozialversicherungsbeiträge, sodass Dein Nettogehalt in der Regel sehr hoch ist.

Als Professor steigst Du dabei jährlich mit zunehmender Berufserfahrung stufenweise auf, was wiederum zu geringen Gehaltssteigerungen führt.

Was verdient ein Professor in der Besoldungsgruppe W2?

Gehälter für Professoren in der Besoldungsgruppe W2, also Fachhochschulprofessoren bzw. befristeten Professuren, bewegen sich zwischen 4.967,98 EUR (Bremen) und 6.181,58 EUR (Baden-Württemberg).

Die deutlichen Unterschiede im Gehalt von Professoren in der Besoldungsgruppe W2 kommen durch regional unterschiedliche Lebenshaltungskosten zustande. So zahlt ein Professor in Baden-Württemberg auch deutlich mehr Miete als ein Professor, der im Raum Bremen ansässig ist.

Juniorprofessoren, die über eine unbefristete Professur verfügen, steigen üblicherweise innerhalb weniger Jahre zu einer W2 Professor (an Fachhochschulen) oder zu einer W3 Professur (an Universitäten) auf.

Wie hoch ist das Gehalt als W3 Professor?

Mit Abstand am besten bezahlt werden Professoren, die der Besoldungsgruppe W3 unterliegen. Das Gehalt bewegt sich hier zwischen 6.006,79 EUR (Bremen) und 7.017,26 EUR (Baden-Württemberg). Als W3 Professor bist Du auf Lebenszeit verbeamtet und kannst Dein Gehalt stufenweise verbessern, so wie es auch bei der Junior- bzw. bei der W2-Professur der Fall ist.

Zu- und Abschläge als Besonderheit beim Professorengehalt

Vergleicht man die Professorengehälter in den einzelnen Bundesländern, fehlt eine wichtige Besonderheit. Professoren erhalten viele Zuschläge bzw. Abschläge für ihre Gehälter. Diese führen zum Beispiel dazu, dass das Realgehalt von Berliner Professoren mit circa 8.210 EUR deutlich über der angegebenen Bruttoentlohnung liegt (22% Differenz).

Zuschläge können Professoren zum Beispiel für Wohnkosten oder Arbeitszimmer erhalten. Auch erhältst Du als Beamter eine höhere Zuwendung der Beihilfe bei Kindern. Nicht zuletzt gibt es auch Zuschläge für mehr Budget- oder Personalverantwortung. Betreust Du darüber hinaus auch andere Verantwortungsbereiche, wie zum Beispiel einen ganzen Fachbereich, erhältst Du ebenfalls Sonderbezüge.

In der Vergleichbarkeit der Professorengehälter ist es also wichtig, sämtliche Gehaltsbestandteile auch über das Bruttogehalt hinaus zu vergleichen. Nur so kann es Professoren gelingen, verschiedene Angebote zu vergleichen.

Was können Professoren in der freien Wirtschaft verdienen?

Auch wenn das Gehalt als Professor verlockend aussieht, darf nicht vergessen werden, dass es etliche Jahre in Anspruch nimmt um die Zulassungsvoraussetzungen zu erfüllen. Mit einem akademisch ausgeprägten Lebenslauf könntest Du auch in der freien Wirtschaft gute Chancen auf eine steile Karriere haben.

Beim Vergleich der Gehälter als Professor mit einem Manager der freien Wirtschaft ist jedoch darauf zu achten, dass Beamte deutlich weniger Sozialabgaben zu zahlen haben. Das führt dann wiederum dazu, dass ein Manager ein deutlich höheres Bruttogehalt erzielen muss, um auf dasselbe Nettogehalt zu kommen. Professoren und Manager zahlen nämlich lediglich dieselben Steuern.

In der folgenden Infografik vergleichen wir für euch das Gehalt eines Abteilungsleiters bei einem großen Industrieunternehmen mit dem Gehalt eines W3 Professors in Baden-Württemberg:

Gehalt als Professor
Das Nettogehalt von Professoren ist höher, obwohl der Manager brutto mehr verdient.

Annahme: beide liegen in der Steuerklasse I (ledige) und sind nicht in der Kirche. Obwohl der Abteilungsleiter deutlich mehr Bruttoeinkommen erzielt, ist das Nettogehalt als Professor höher, da die Sozialabgaben wegfallen.

Fazit: auch Professoren gehören zu den Spitzenverdienern

Um in Deutschland zu den Top-Verdienern zu gehören ist es nicht zwingend nötig, Vorstand oder Manager eines Konzerns zu sein. Auch die Selbstständigkeit ist keine Voraussetzung. Selbst Professoren, die aus öffentlicher Hand vergütet werden, gehören mit Ihren Gehältern nach W-Besoldungsgruppe eindeutig zu den Spitzenverdienern des Landes. Insbesondere das Nettoeinkommen von Professoren liegt im oberen Bereich. Wer also Spaß an der Forschung und akademischen Lehre hat, sollte einen Berufseinstieg in der Wissenschaft in Erwägung ziehen.

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